Zahnmedizinische Versorgung in Alten- und Pflegeheimen: In Sachsen-Anhalt überdurchschnittlich hohe Anzahl an Kooperationsverträgen
Magdeburg. Mangelhafte Mundhygiene, zunehmende Erkrankungen des Zahnhalteapparates, erhöhte Wurzelkaries und insuffizienter Zahnersatz bei Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen sind leider auch in Sachsen-Anhalt keine Ausnahme. In diesem Bundesland kann die Zahnärzteschaft jedoch auf gute Erfahrungen mit dem inzwischen schon vielfach verstetigten Pilotprojekt „Altern mit Biss“ verweisen. In zahlreichen der mehr als 500 Pflegeheimen zwischen Arendsee und Zeitz betreuen Patenschaftszahnärzte regelmäßig die dort lebenden Seniorinnen und Senioren, schulen das Pflegepersonal und beziehen die Angehörigen ein. Inzwischen gibt es in Sachsen-Anhalt 202 Kooperationsverträge zwischen Zahnärzten und Pflegeheimen – eine im Bundesvergleich überdurchschnittlich hohe Zahl, berichtet der Vorstandsvorsitzende der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt Dieter Hanisch. Zum Jahresende 2014 lag die Zahl der abgeschlossenen Kooperationsverträge bundesweit bei 1.708.
Kooperationsverträge regeln die präventive zahnmedizinische Betreuung immobiler Heimbewohner und die individuelle Schulung des Pflegepersonals. Die zahnmedizinische Versorgung von Senioren ist wegen der Multimorbidität und Demenz oft nur noch vor Ort möglich. Für das nicht einfache Behandeln in den Pflegeeinrichtungen ist es erforderlich, dass Heimleitung und Pflegepersonal für Zahn- und Mundgesundheit motiviert und geschult sind, damit Erkrankungen im Mundraum vorgebeugt werden können.
„Viele zahnärztliche Kollegen in Sachsen-Anhalt kennen die zahnmedizinische Betreuung in Altenpflegeheimen noch aus DDR-Zeiten. Hier war eine regelmäßige Betreuung gewährleistet und diese Zusammenarbeit wurde nach der Wende fortgeführt“, erinnert sich der Präsident der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt Dr. Frank Dreihaupt. Später konnten junge Kollegen vom Projekt „Altern mit Biss“ überzeugt werden, sodass es in Sachsen-Anhalt schon viele Patenschaftszahnärzte
für Pflegeheime gab, bevor dieses gesetzlich vorgeschrieben wurde. „Der Einsatz als Patenschaftszahnarzt in den Heimen ist immer verbunden mit viel Engagement und Ehrenamt“, weiß Dr. Dreihaupt aus eigener Erfahrung. Die dort tätigen Kollegen müssen sich mit der Multimorbidität der Patienten auseinandersetzen, Medikation und Allgemeinerkrankungen mit dem Hausarzt besprechen und die Angehörigen umfassend aufklären, wie wichtig die Mundgesundheit für die Allgemeingesundheit und die Lebensqualität ist.
Diese Erkenntnisse sind das Ergebnis des von der Zahnärztekammer bereits 2003 gestarteten Pilotprojektes „Altern mit Biss“ in einem Pflegeheim in Magdeburg. Fast 40 Prozent der Bewohner hatten zum Abschluss nach vier Jahren einen besseren Mundhygienestatus als beim Start und bei weiteren 50 Prozent konnte ein guter bzw. zufriedenstellender Zustand erreicht werden. „Eine regelmäßige Zahn- und Mundhygiene durch geschultes Pflegepersonal und eine präventive zahnmedizinische Betreuung durch einen Patenschafts- bzw. Kooperationszahnarzt ist für die Mundgesundheit der Bewohner von Altenpflegeheimen von großer Bedeutung“, fasst Dieter Hanisch zusammen, das nun durch eine große Zahl von Kooperationsverträgen sachsen-anhaltischer Zahnärztinnen und Zahnärzten mit Altenpflegeheimen im Land vervielfacht wird.
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